Das Batphone: Whitepaper

Der Titel dieses Whitepapers bezieht sich auf die ausgiebige Nutzung des Batphones durch Commisioner Gordon, wann immer Gotham City in Bedrängnis war (aus der TV-Serie "Batman" aus den 1970er Jahren).

Dieses Whitepaper ist Teil unserer Sammlung "Aus der Praxis". Es bringt die fiktive Story "Batman" mit der Tatsache in Verbindung, dass wir uns während einer EPM-Implementierung immer mal wieder wünschen, ein Batphone zu haben, wenn wir in Schwierigkeiten stecken. Darüber hinaus werden zahlreiche Möglichkeiten beschrieben, mit denen Sie verhindern können, während der Implementierung in überhaupt erst in Schwierigkeiten zu geraten.

Eine Word-Version dieses Whitepapers finden Sie unter Das Batphone.

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Das Batphone

Die ursprüngliche TV-Serie "Batman" wurde 1966 erstmals ausgestrahlt. Sie hatte nur 120 Episoden, sorgte jedoch für einen kulturellen Wandel, der bis heute anhält. In der Welt von Batman und Robin (seinerzeit gespielt von Adam West und Burt Ward) gab es für alles eine "Bat"-Lösung. Ganz gleich, um welches Problem es ging, Batman hatte für alles eine Lösung. Es gab das Batmobil, das Batboat, das Batplane und die Batcave. Und wenn Sie einmal Hilfe brauchten, ganz gleich, wie schwierig es war, wie konnten Sie Batman erreichen? Natürlich über das Batphone! Schnappen Sie sich das Batphone, und schon ist Hilfe unterwegs.

Abbildung eines roten Bat-Telefons (aus der TV-Serie 'Batman')

Commissioner Gordon nahm das Batphone, wenn die Lage hoffnungslos war, was natürlich einmal pro Episode vorkam. Es war unerheblich, wie aussichtslos die Lage war, dank des Batphones war das Problem in 22 Minuten (plus der Zeit für die Werbeeinblendungen) gelöst, der Schurke war bezwungen, und in Gotham City kehrte wieder Ruhe ein.

Jede Lösung in Batmans Welt hatte Ähnlichkeit mit einer Fledermaus. Handschellen? Geformt wie eine Fledermaus. Utensiliengürtel? Mit Fledermauslogos. Enterhaken? Na klar, sahen aus wie Fledermausflügel. Als ich mir jedoch kürzlich Bilder vom Batphone anschaute, sah es zu meiner Überraschung bestürzend normal aus. Ein rotes Telefon mit einer Wählscheibe (wissen Sie noch, wie ein Telefon mit einer Wählscheibe aussieht?). Ich bin mir noch nicht einmal sicher, ob es überhaupt eine Wählscheibe hatte. Hiermit konnte nur ein Ort angerufen werden: Die Batcave, wo die Rettung schon zur Stelle war.

So nostalgisch es auch sein mag, sich an Telefone mit Wählscheibe und alte Episoden von Batman zu erinnern, es ist nicht der Kerngedanke des heutigen Artikels. Es ist schon 40 Jahre her, dass das Batphone außer Betrieb gesetzt wurde, aber die Leute rufen heute immer noch jeden Tag ihren EPM-Berater an, in der Hoffnung, das Batphone möge noch ein einziges Mal funktionieren.

Die Schurken sind vielfältig. Manche sind technischer Natur. Es muss ein Upgrade von Version x auf Version y erfolgen. Einige verstecken sich in der Architektur. Es muss dafür gesorgt werden, dass das interne EPM-System Kontakt zu Benutzern in der Außenwelt aufnehmen kann. Einige sind kulturell bedingt. Die Benutzer weigern sich, das System zu nutzen. Und wieder andere verbergen sich in den Prozessen. Der Prozess, dem man folgt, scheint nicht die erwarteten Ergebnisse zu bringen.

Ganz gleich, welcher Art das Problem ist, die Forderung, die an das Beratungsunternehmen gestellt wird, ist immer die gleiche: Können Sie das Problem in 22 Minuten beheben?

Es ist eine Situation, in die überraschend viele EPM-Benutzer geraten, eine Situation, in der sie dringend Hilfe benötigen, um sich aus ihren Schwierigkeiten befreien zu können. Häufig handelt es sich um einen Notfall, und das Management verlangt, dass das Problem möglichst schon gestern gelöst wird. Die Leute, die solche Anrufe tätigen (ich erhalte jede Woche einige davon) sind keinesfalls vom Wahnsinn ergriffen. Es handelt sich um höchst intelligente, gebildete und fähige Manager.

Und natürlich gibt es kein Batphone. Ich wollte, es gäbe eins. Ich würde es für alle Arten von persönlichen Herausforderungen verwenden. Und so sind die Leute, die diese Anrufe tätigen, auch höchst selten mit der Antwort zufrieden, die sie erhalten. Nehmen wir uns einen Moment, und lassen Sie uns darüber sprechen, wie die Leute so in die Klemme geraten können, dass sie meinen, sie müssten das rote Telefon benutzen, und wie Sie selbst vermeiden können, in die gleiche Situation zu geraten.

In Schwierigkeiten geraten

Lassen Sie uns zunächst darüber sprechen, wie Leute bei einer EPM-Implementierung in Schwierigkeiten geraten können. Es gibt eine Reihe häufig auftretender Ursachen:

  • Die Herausforderung wird unterschätzt   . Dies ist der bei weitem häufigste Fehler bei einer EPM-Bereitstellung. Das soll nicht heißen, dass jede Bereitstellung umfangreich und schwierig sein muss. Das ist sicherlich nicht immer der Fall. Vielleicht liegt es am Wunschdenken, aber es kommt unglaublich oft vor, dass unterschätzt wird, was alles erforderlich ist, um zum Schluss die Vorteile einer EPM-Bereitstellung nutzen zu können. Der erste Fehler, d. h., was zuerst unterschätzt wird, ist die Auswahl des Ziels. Manche Leute halten die Installation des Tools schon für ein erfolgreiches Projekt, aber das ist es natürlich nicht. Einige Leute sehen die erste Nutzung des Tools oder den ersten Bericht, der mit dem Tool erstellt wird, als das Ziel. Das ist ebenso eine Fehleinschätzung. Das Ziel kann nur die Lösung der Probleme sein, für die die EPM-Tools ursprünglich ausgewählt wurden. Dies bedeutet, dass der Kulturwandel vollzogen wurde, dass die Schulungsphase abgeschlossen ist, dass die Tools in der Produktion eingesetzt werden, dass die Tools funktionieren und dass alle Daten vorhanden sind. Ja, das hört sich nach einer großen Sache an, aber wenn Sie auch nur einen Schritt von diesem Ziel entfernt sind, haben Sie immer noch nichts erreicht. (Naja, zumindest fast nichts.)

  • Es wird zu einem technischen Projekt erklärt   . Daran tragen diejenigen von uns die meiste Schuld, die sich in der Technologiebranche befinden, und seien wir doch mal ehrlich, die meisten von uns müssten es eigentlich besser wissen. Dennoch können wir der Versuchung zu glauben, dass die Verfügbarkeit von Technologie bedeutet, dass das Problem gelöst ist, irgendwie nicht widerstehen. Daher hören wir in vielen Organisationen, die wir besuchen, immer wieder Variationen des Satzes "Aber wir haben doch Project Server installiert, warum ist unser Personal überlastet?". Dabei betonen wir doch schon seit geraumer Zeit, dass eine Kombination aus Mitarbeitern, Technologie und Prozessen sowie ziemlich viel Änderungsmanagement als Zugabe erforderlich ist, um Enterprise Project Management funktionstüchtig zu machen. Das alles kommt nicht automatisch, nur weil eine Software-DVD auf Ihrem Schreibtisch gelandet ist.

  • Keine Einbeziehung des Managements   . Auch dieser Fehler kommt sehr häufig vor. Schließlich handelt es sich bei den Leuten, die die Vorteile eines Enterprise Project Management-Systems am besten zu schätzen wissen, höchstwahrscheinlich um diejenigen, die mit der Analyse großer Datenmengen zu kämpfen haben, die aus einer Umgebung mit vielen Projekten und vielen Ressourcen stammen. Enterprise Project Management ist am begehrtesten, wenn eine Organisation versucht, eine komplexe Sammlung aus in Konflikt stehenden Prioritäten mit unzähligen Kombinationen aus Fertigkeiten und Erfahrungen in Einklang zu bringen. Man sollte doch glauben, dass das Management wie selbstverständlich in ein solches Projekt eingebunden wird, aber das ist häufig nicht der Fall. Die Herausforderung, in der Unternehmenskultur einen Wandel von der Einzelprojekt-Mentalität zu einer Unternehmensprojekt-Mentalität zu vollziehen, ist ohne das Management kaum zu bewältigen, dennoch wird das Management allzu oft übergangen, weil befürchtet wird, dass sie nicht erkennen, was erforderlich ist, um eine EPM-Bereitstellung erfolgreich zum Abschluss zu bringen.

  • Unrealistische Zeitpläne   . Niemand wünscht sich, dass eine EPM-Bereitstellung eine halbe Ewigkeit dauert. Alle hoffen natürlich, dass das Projekt in Tagen oder einigen Wochen abgeschlossen werden kann, anstelle der Monate, die es in der Regel dauert. Darüber hinaus gibt es auch häufig das Problem, dass die Ressourcen für ein "internes" Projekt wie eine EPM-Implementierung nicht so einfach zur Verfügung stehen wie für ein kundenbasiertes oder kommerzielles Projekt. Aus diesen und anderen Gründen wird in der Regel ein Projektzeitplan mit einem Ressourcenbedarf erstellt, der höchst unzureichend ist.

  • Kein Projektmanagement für ein Projektmanagementsystem   . Wenn Sie irgendetwas von dem gelesen haben, was ich geschrieben habe, haben Sie das wahrscheinlich schon einmal gehört. Projektmanager sind anfällig für das Syndrom "Schuster, dessen Kinder barfuß laufen". Das Ergebnis ist, dass es für das eigene Projekt weder einen Projektauftrag noch ein genehmigtes Budget gibt, keinen nachverfolgten Zeitplan, keine dedizierten Ressourcen, nichts von der Ausstattung, die bei allen anderen Projekten üblich ist, die von ihnen verwaltet werden.

Also, was erwarten sie?

Nun gut, jetzt wissen Sie, wie die Leute sich häufig selbst in Schwierigkeiten bringen. Die Vorteile, die das Management von der Bereitstellung eines EPM-Systems erwartet, hängen normalerweise unmittelbar mit den geschäftlichen Problemen zusammen. Es ist das Versprechen, diese Probleme zu lösen, das das Management dazu bringt, die Ausgaben für Software, Hardware, Infrastruktur und möglicherweise sogar Dienstleistungen zu genehmigen. Die am häufigsten auftretenden Probleme kommen Ihnen möglicherweise seltsam vertraut vor:

  • Die Ressourcen sind überlastet   . Möglicherweise ist nicht klar, wofür die Ressourcen eingesetzt werden, aber es wird sehr oft festgestellt, dass Ressourcen überlastet sind. Ein noch komplexeres Problem ist die Erkenntnis, dass einige Ressourcen überlastet sind, während andere nicht ausgelastet sind, was häufig auf ein Ungleichgewicht zwischen den vorhandenen und den erforderlichen Fertigkeiten und Erfahrungen hindeutet.

  • Wichtige Projekte werden nicht rechtzeitig abgeschlossen   . Es sollte selbstverständlich sein, dass wichtige Projekte planmäßig abgeschlossen werden, aber das Leben scheint solche Pläne immer wieder über den Haufen zu werfen. Der Grund hierfür kann ein in Konflikt stehender Ressourcenbedarf sein, es kann daran liegen, dass zu viele Projekte ausgewählt wurden, für die zu viele der gleichen Fertigkeiten benötigt werden, oder einfach an einer mangelhaften Priorisierung. Manchmal glauben die Organisationen, es läge an den mangelnden Fertigkeiten des Projektmanagers, aber in einer Multiprojekt-Matrixumgebung mit mehreren Abteilungen ist der Schuldige eher im Organisatorischen zu suchen.

  • Projekte werden nicht innerhalb des Budgetrahmens abgeschlossen   . Was für den Zeitplan gilt, kann gleichermaßen auch für die Kosten gelten. In der High-Tech-Branche ebenso wie in vielen anderen Branchen ist die variabelste Komponente in den Projektkosten die Menge an Arbeit, die aufgewendet werden muss. Dauert es länger mit den gleichen Personen, erhöhen sich schon die Kosten des Projekts. Und es ist erstaunlich, wie viele auf der Büroetage angestoßene Projekte immer noch nicht nachverfolgt werden. Sie werden geplant, aber die eigentlichen Kosten pro Projekt werden nicht erfasst.

  • Der Wettbewerb bringt Projekte schneller zum Abschluss als Sie   . In der Wettbewerbswirtschaft kann die Chance, ein Produkt als Erster auf den Markt bringen zu können, den Unterschied zwischen Überleben und in Vergessenheit geraten bedeuten. Daher ist für viele Organisationen die Sicherstellung, dass ihr Projektmanagement mindestens genau so effektiv ist wie das der Konkurrenz, von ausschlaggebender Bedeutung.

  • Es ist nicht transparent, für was Projektressourcen ihre Zeit aufwenden, oder es gibt keine Möglichkeit zu sehen, wie viel Zeit für jedes Projekt aufgewendet wurde   . Manchmal ist keine Antwort schlimmer als eine schlechte Antwort. Dies gilt besonders, wenn Sie ein Mitglied der obersten Führungsebene sind. Wenn Sie wissen, dass die Ergebnisse schlecht sind, können Sie Ihre Fertigkeiten und die Ressourcen, die Ihnen zur Verfügung stehen, zur Lösung des vorliegenden Problems nutzen. Wenn Sie nur ahnen können, dass irgendetwas falsch läuft, aber nicht sagen können, was es ist, sind Ihnen die Hände gebunden. Es gibt keine Möglichkeit herauszufinden, wo Sie ansetzen können, um das Problem zu beheben.

Wie halte ich mich von Schwierigkeiten fern?

Sie möchten ganz sicher niemals an den Punkt kommen, an dem Sie das Gefühl haben, das Batphone zu brauchen. Was also können Sie in Ihrer EPM-Umgebung tun, um zu verhindern, dass Sie an diesen Punkt gelangen?

Nun gut, alles, was im ersten Abschnitt aufgeführt wurde, ist selbstverständlich:

  • Sorgen Sie für eine gute Schätzung.

  • Gehen Sie nicht von der Prämisse aus, dass EPM nur ein technisches Projekt ist.

  • Binden Sie die oberste Führungsebene von Anfang an mit ein.

  • Erstellen Sie einen realistischen Zeitplan, und führen Sie eine Realitätsprüfung durch, indem Sie Ihren Zeitplan mit anderen aus Ihrer Branche vergleichen.

  • Erstellen Sie einen Projektzeitplan und einen Projektauftrag, und verfahren Sie mit diesem Projekt genau so, wie Sie normalerweise mit allen anderen Projekten verfahren.

Was können Sie sonst noch tun?

Zunächst einmal sollten Sie das Projekt in dem Bewusstsein starten, dass Sie sich unweigerlich an irgendeinem zukünftigen Punkt wünschen werden, Sie hätten ein Batphone. Sie werden! Mit dieser Erkenntnis besteht eine Möglichkeit darin, im Budget Ausgaben für Supportleistungen unterzubringen, die aktuell noch nicht auf dem Plan stehen. Wir empfehlen unseren Kunden, 10 bis 20 % des Projektbudgets für "nicht zugeordneten Bedarf" zu reservieren. "Wofür soll das sein?", werden wir immer wieder gefragt. "Das werden Sie uns später schon sagen können", lautet die stereotype Antwort. Im Allgemeinen wird nicht der gesamte Betrag benötigt. Aber es kommt ziemlich häufig vor, dass ein Teil hiervon benötigt wird. Es macht später einen enormen Unterschied, wenn Sie im Projekt bereits einen erfahrenden Experten zugewiesen und im Budget eingeplant haben.

Beginnen Sie mit der Erwartung, dass sich sowohl der Plan als auch die Mitarbeiter ändern werden. Mein Lieblingszitat betreffend das Projektmanagement stammt von Helmuth von Moltke d. Ä., der sagte: "Kein Plan überlebt die erste Feindberührung." Das gilt auch für EPM-Pläne. In Anbetracht der Tatsache, dass eine Implementierung durchaus mehrere Monate dauern kann, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass der Mitarbeiterstamm sich ändern wird, also planen Sie Redundanzen ein.

EPM-Systeme entwickeln sich. Heutzutage ist es üblich, in Verbindung mit einer Unternehmensanwendung auch die "Gesamtunterhaltungskosten" zu berücksichtigen. Ich denke, wir sollten auch den gesamten Anwendungslebenszyklus in unsere EPM-Projektpläne einbeziehen. Haben Sie darüber nachgedacht, welche Version eines Tools Sie implementieren werden? Überlegt, von welchen anderen Tools dieses Tool abhängig ist? Wie sieht es mit einem regelmäßigen Update/Upgrade dieser Tools aus? Wurden Anpassungen vorgenommen? Wie sieht es mit angepassten Schulungen aus? Haben Sie darüber nachgedacht, wie sich all das migrieren lässt, wenn Sie eine neue Version bereitstellen?

Planen Sie auch im Hinblick auf Ihre Fachleute Redundanzen ein. Wenn Sie nur mit einem einzigen Berater zusammenarbeiten, was passiert in einigen Monaten, wenn Sie in eine neue Phase der Implementierung eintreten oder ein neues wichtiges Mitglied in Ihr Team aufnehmen müssen? Steht dieser Berater dann zur Verfügung? (Berater wandern von einem Projekt zum nächsten, daher lautet die Antwort oftmals "Nein".) Wenn Sie mit einer Beratungsgesellschaft zusammenarbeiten, haben Sie darüber gesprochen, wie sie die Arbeit ihrer Mitarbeiter dokumentieren, damit andere deren Aufgaben notfalls übernehmen können?

Wer schreibt, der bleibt

Eines der am häufigsten vorkommenden und am einfachsten zu behebenden Probleme entsteht aus einer mangelhaften Dokumentation. Dies ist zwar das einfachste Element, das gefälscht werden kann, aber das Vorhandensein einer solchen Dokumentation kann den entscheidenden Unterschied zwischen dem erneuten Durchackern der Referenzdokumente und der Suche nach dem Batphone darstellen. Es genügt auch nicht, ein Dokument zu erstellen, das dann in irgendeiner Schublade verstaubt. Dokumente sollten fortlaufend aktualisiert werden, denn dann können Sie im Verlauf der EPM-Implementierung im Rahmen des regelmäßigen Überprüfungsverfahrens darauf verweisen. Hier einige der Dokumente einer EPM-Umgebung, die meiner Meinung nach am wichtigsten sind:

  • Wirtschaftlichkeitsberechnung   . Ich weiß auch nicht, was die ursprüngliche Wirtschaftlichkeitsberechnung so unattraktiv macht, aber sie ist das Element, das am häufigsten vernachlässigt wird, und sie stellt in vieler Hinsicht den Kern dessen dar, warum Sie eine EPM-Umgebung implementiert haben. In der Wirtschaftlichkeitsberechnung wird angegeben, worin die erwarteten Vorteile für die Organisation bestehen. Was erwartet die Organisation vom EPM-System? Wenn wir einen Anruf über das Batphone bekommen, lautet eine der ersten Fragen, die wir stellen: "Was erwarten Sie von dem System?" Wir fragen nicht nur den Administrator. Wir fragen auch das Management, die Benutzer und die Nutznießer des Unternehmens. Die häufigste Antwort ist jeweils eine andere von jeder Partei. Das liegt daran, dass die ursprüngliche Unternehmensprämisse verloren gegangen ist.

  • Rollen und Zuständigkeiten   . Ganz zum Schluss erfolgt die Auflösung von Rollen und Zuständigkeiten oftmals auf den Namen einer Person, und es dauert nicht lange, bis die Rolle, die diese Person im EPM-System spielt, in Vergessenheit geraten ist. Indem Sie ein Dokument mit Rollen und Zuständigkeiten anlegen, können Sie parametrisch anpassen, wer im EPM-Prozess was erledigt, da in der Organisation immer wieder auch die Mitarbeiter wechseln oder sogar Änderungen an der Organisationsstruktur vorgenommen werden.

  • Prozessleitfaden und Flussdiagramm   . Diese Komponenten werden häufig vergessen, wenn wir uns lediglich mit den schrittweisen Anleitungen befassen. Die Mitarbeiter erhalten schrittweise Anleitungen im Sinne von "Wie gehe ich vor, wenn", haben jedoch keinen Kontext, dem sie entnehmen können, warum diese Schritte wichtig sind und wie die Ergebnisse der einzelnen Schritte weiterverarbeitet werden. Ein Prozessleitfaden und idealerweise ein Flussdiagramm helfen zukünftigen Managern zu verstehen, was das System bereitstellt, und erleichtern zudem die zukünftige Anpassung des Systems.

  • Systemauswahlkriterien   . Nachdem Sie Ihr EPM-System und alle ggf. hilfreichen Drittanbietertools ausgewählt haben, die Ihnen unterwegs begegnet sind, lassen Sie zukünftige Generationen wissen, auf welcher Basis Sie Ihre Entscheidung getroffen haben. Wir haben Organisation fünf, sieben oder sogar zehn Jahre nach der Bereitstellung eines Systems besucht und sind auf ein System gestoßen, das mit den unterschiedlichsten Tools ausgestatten war. Wenn wir dann fragten: "Warum tun Sie das? Es wäre doch viel einfacher, dies zu tun!", stellte sich heraus, dass die Gründe für diese Entscheidung nirgendwo mehr zu finden waren. In einigen Fällen hatte der Kunde Jahre damit verbracht, irgendetwas in einer extrem komplizierten Weise zu machen, das mit aktuelleren Versionen der vorhandenen Tools wesentlich einfacher zu bewerkstelligen gewesen wäre. Eine einfache Entscheidung für ein anderes Tool oder für eine neuere Version konnte nicht getroffen werden, da niemand mehr wusste, warum man sich einige Jahre zuvor für diese bestimmte Vorgehensweise entschieden hatte.

Es gibt wirklich kein Batphone.

Wenn ich das sage, fühlt es sich an, als würde ich sagen, dass es keinen Osterhasen und auch keinen Weihnachtsmann gibt. Es sind halt schlechte Nachrichten. Aber es gibt wirklich kein Batphone. Ich bin jedoch sicher, dass das Fehlen dieses magischen Telefons die Leute nicht davon abhalten wird, mich morgen wieder anzurufen und zu bitten, den letzten Schurken von Gotham City zu bezwingen. Wenn Sie in Schwierigkeiten sind und das Bedürfnis haben, einen Fachmann anzurufen, hier einige Empfehlungen:

  1. Hören Sie auf den Rat, den Sie erhalten. Es ist Unsinn, einen Experten dafür zu bezahlen, dass er Ihnen Ratschläge gibt, diese dann aber in den Wind zu schlagen, weil Sie meinen, Sie wüssten es besser. Wenn Sie um Rat fragen und es mit einem Fachmann zu tun haben, versuchen Sie zuzuhören, und ziehen Sie den Ratschlag wenigsten in Betracht. Batman würde nicht immer wieder bei Commissioner Gordon auftauchen, wenn dieser jedes Mal sagen würde: "Wo du schon mal hier bist, Batman, mach es jetzt bitte genau so wie alle meine Beamten da draußen."

  2. Batman würde dafür 22 Minuten brauchen, Sie brauchen wahrscheinlich wesentlich länger. Wenn Sie einen Fachmann anrufen, lassen Sie sich sagen, wie lang es dauert, Ihr Problem zu lösen. Anschließend liegt es bei Ihnen zu entscheiden, ob das Problem gelöst werden soll oder nicht, aber EPM-Probleme, auch wenn sie technischer Natur sind, lassen sich nun mal nicht in wenigen Minuten beheben. Nun gut, Batman musste das in 22 Minuten hinkriegen, da 8 Minute für Werbung vorgesehen waren, und die ist nun wirklich wichtig.

  3. Commissioner Gordon hat Batman aber auch nie die Lösung vorgegeben, sondern immer nur sein Problem geschildert. Wir erhalten allzu häufig einen Anruf von einem panischen EPM-Administrator, der weiß, dass ich einen Patch anwenden, einen Bericht schreiben und zwei Personen schulen muss. Ich höre dann immer ganz geduldig zu und bitte den Kunden, das Problem zu beschreiben, da er mir zuvor nur die Lösung beschrieben hat. Bevor Sie den Hörer in die Hand nehmen, um einen Experten anzurufen, sollte Sie zuerst über das Problem nachdenken, das Sie im auf den Tisch legen möchten.

Fazit

Sie müssen das Batphone auch wirklich nutzen. Fragen Sie herum. Fragen Sie nicht nur einen Beratungsexperten, und geben Sie sich nicht mit nur einer möglichen Lösung zufrieden. Fragen Sie Ihre Kollegen oder andere Leute aus Ihrer Branche, ob sie jemanden kennen, der einen Anruf mit dem Batphone annehmen würde, und sprechen Sie mit mindestens zwei dieser Personen. Es ist eine gute Realitätsprüfung zu vergleichen, wie zwei verschiedene Experten an Ihr Problem herangehen. Und nicht vergessen: Batman mag wirklich großartig gewesen sein, aber es gibt noch eine Menge anderer Superhelden!

Informationen zum Autor

Chris Vandersluis ist der Präsident und Gründer von HMS Software, einem im kanadischen Montreal ansässigen Microsoft Certified Partner. Er hat einen Abschluss in Wirtschaftswissenschaften von der McGill University und mehr als 30 Jahre Erfahrung in der Automatisierung von Projektsteuerungssystemen. Er ist ein langjähriges Mitglied des PMI (Project Management Institute) und hat geholfen, die Ortsverbände der Microsoft Project-Benutzergruppen (MPUG) in Montreal, Toronto und Quebec zu gründen. Vandersluis hat Beiträge in Fortune, Heavy Construction News, im Magazin "Computing Canada" und im PMNetwork von PMI veröffentlicht. Darüber hinaus verfasst er regelmäßig die Leitartikel für Project Times. Er unterrichtet Projektmanagement für Fortgeschrittene an der McGill University und hält häufig Vorträge auf Veranstaltungen der Project Management Association in Nordamerika und weltweit. HMS Software ist der Herausgeber von TimeControl, einem projektorientierten Zeiterfassungssystem, und seit 1995 ein Microsoft Project Solution Partner.

Sie können Chris Vandersluis per E-Mail kontaktieren: chris.vandersluis@hms.ca

Wenn Sie weitere EPM-bezogene Artikel von Chris Vandersluis lesen möchten, besuchen Sie die EPM Guidance-Website von HMS (http://www.epmguidance.com/?page_id=39).

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